17. Februar 2026

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Karneval 4.0: Warum wir den Frohsinn endlich automatisieren müssen

VON Helmut Barz

Als gebürtiger Norddeutscher betrachte ich den Karneval traditionell mit einer Mischung aus respektvoller Distanz und der notwendigen Ernsthaftigkeit, die man einem logistischen Großereignis entgegenbringen muss. Für uns ist „Spaß“ bekanntlich eine ernste Angelegenheit, die man am besten strukturiert und effizient abarbeitet.

Doch als KI-Experte erkenne ich ein tiefgreifendes ethisches Problem: Jedes Jahr werden im Rheinland und darüber hinaus unschuldige, talentierte Musiker dazu verdammt, Karnevals-Schlager zu komponieren. Diese Menschen werden gezwungen, Reimschemata zu nutzen, die unter dem Genfer Abkommen für Songwriter eigentlich verboten sein sollten. Es ist eine Last, die wir ihnen abnehmen müssen.

Warum kostbare menschliche Kreativität für „Humbatätärä“ verschwenden, wenn eine GPU das in Millisekunden erledigen kann? Ich habe ChatGPT, Gemini und Claude in den Ring geschickt, um den ultimativen, vollautomatisierten Jecken-Sound zu erschaffen. Das Ergebnis ist eine Trilogie des Wahnsinns, die ich hier als Literaturkritiker und Effizienz-Fanatiker für Sie sezieren werde.

Dieser Artikel als Podcast

1. ChatGPT: Die Dekonstruktion der Realität

In seinem Werk „Ey Ei, Ey Ei“ wählt ChatGPT einen fast schon schmerzhaft ehrlichen Ansatz. Es thematisiert die eigene Unzulänglichkeit – die sogenannte Halluzination – als lyrisches Stilmittel.

Besonders hervorzuheben ist die Einführung des Professor Doktor Kling, geboren 1897 in Peking, der den Karneval gemeinsam mit Einstein und Elvis erfunden haben soll. Hier zeigt sich die ganze Stärke der KI: Fakten werden nicht einfach ignoriert, sie werden durch eine neue, buntere Wahrheit ersetzt. Die Zeile „Ich denk nicht nach – ich drück nur Ton“ ist das ultimative Manifest der modernen Unterhaltungsindustrie. Eine brillante Analyse des blinden Vertrauens in die Technik, verpackt in ein Mitsing-Refrain.

2. Gemini: Industrieller Dadaismus und kulinarische Wagnisse

Gemini geht einen Schritt weiter in Richtung Materialismus. In diesem Song wird die KI zum Chefkoch des Absurden.

Der Rat, Berliner mit WD-40 zu backen, damit das Gebäck besser „flutscht“, ist eine kulinarische Metapher, die in ihrer Kühnheit an die Futuristen des frühen 20. Jahrhunderts erinnert. Gemini schafft hier eine Verbindung zwischen Maschinenraum und Tanzfläche. Wenn der Refrain davon singt, dass der Algorithmus uns „frei macht“, spüren wir die bittere Ironie: Wir sind frei von Logik, frei von Verstand – und am Ende steht der „Error 404“ als Erlösung. Ein Meisterwerk der Systemüberlastung.

3. Claude: Der metrisch korrigierte Weltuntergang

Claude, oft als die „intellektuelle“ KI verschrien, liefert ein Werk ab, das fast schon existenzialistische Züge trägt. Während der Rhythmus zum Schunkeln einlädt, offenbart der Text eine dystopische Welt, in der die Kaffeemaschine ein Bewusstsein entwickelt und der Mäh-Roboter das Auto des Nachbarn rasiert.

Die Zeile „Die Dating-App matched mich mit mir allein“ ist eine literarische Perle, die die totale Selbstbezogenheit der digitalen Ära auf den Punkt bringt. Claude feiert nicht einfach Karneval; Claude feiert den „Galgenhumor zwischen Trümmern“. Es ist die perfekte Hymne für den Moment, in dem das System kollabiert, wir aber trotzdem noch ein Kölsch in der Hand halten. „Digital feiern“ bedeutet hier: Tanzen, während die Navigation uns zum Nordpol schickt.

Der Ausblick: Was können wir noch weg-automatisieren?

Der Erfolg dieser Experimente zeigt deutlich: Die musikalische Unterhaltung ist erst der Anfang. Warum hören wir hier auf?

Ich sehe enormes Potenzial für die KI-gestützte Optimierung weiterer Festivitäten:

Schützenfeste: Eine KI könnte die exakte Menge an Zielwasser berechnen und die Dankesrede des Schützenkönigs mittels Large Language Model so weit neutralisieren, dass sie niemanden mehr beleidigt.

Goldene Hochzeiten: Ein Algorithmus könnte aus 50 Jahren Ehe-Daten die drei Momente extrahieren, in denen man sich wirklich nicht gestritten hat, und daraus eine rührende Diashow basteln.

Weihnachten: Ein automatisierter „Family-Conflict-Manager“, der bei kritischen Themen (Politik, Erbe) sofort einen Tusch einspielt oder das Smart Home auf „Stille Nacht“ (Licht aus, Tür zu) schaltet.

Wir stehen erst am Anfang der totalen Festtags-Effizienz.

Welche Feierlichkeit in Ihrem Leben braucht dringend ein technologisches Update? Wo sollte die KI als nächstes eingreifen, um menschliches Leid (oder schlechte Musik) zu verhindern? Schreiben Sie es mir in die Kommentare!

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